Gendergerechte Sprache in Social Media richtig anwenden

Geschlechtergerechte Sprache ist nach wie vor ein kontroverses und hochaktuelles Thema in der Gesellschaft. Immer wieder stellen sich Personen und Unternehmen die Frage, wie sie damit umgehen sollen und -wenn sie sich dafür entscheiden- welche Form (Sternchen, Doppelpunkt, Unterstrich oder ähnliches) am effektivsten ist.

Dieser Artikel beleuchtet:

  • die Argumente für und gegen die geschlechtergerechte Sprache
  • die Gender-Formen, die verwendet werden können
  • das Gendern in Social Media
  • Empfehlungen, worauf zu achten ist

Warum Gendern?

Wir haben uns mit den positiven und negativen Aspekten der geschlechtergerechten Sprache auseinandergesetzt und teilen diese Argumente heute mit Ihnen:

Gründe, die für das Gendern sprechen:

  • Inklusion und Respekt: Die Texte werden so formuliert, dass wirklich alle Menschen -unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität- gemeint und angesprochen sind. Jeder Mensch fühlt sich gesehen und respektiert.
  • Vermeidung von Diskriminierung: Es trägt dazu bei, diskriminierende Stereotype zu durchbrechen und ein inklusiveres Umfeld zu schaffen.
  • Sensibilisierung: Das Bewusstsein für die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten wird geschärft und Stereotype werden in Frage gestellt. Dies fördert eine offenere und tolerantere Gesellschaft, die die verschiedenen Formen der Geschlechtsidentität respektiert und anerkennt.
  • Förderung der Gleichstellung: Gendern kann dazu beitragen, Geschlechterstereotype aufzubrechen und die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, indem sie die gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlechtern verändert und die Teilhabe aller Geschlechter in allen Lebensbereichen unterstützt.

Gründe, die gegen das Gendern sprechen:

  • Sprachliche Komplexität: Es kann den Text bzw. die Sprache komplizierter machen und möglicherweise zu mehr Verwirrung führen. Neue Pronomen oder geschlechtsneutrale Formulierungen werden teilweise schwerer verstanden.
  • Traditionelle Sprachnormen: Es handelt sich um eine Veränderung der Sprache, wobei es manche für wichtig halten, die traditionellen Sprachnormen beizubehalten. Das Argument hier ist oft, dass die Aufrechterhaltung der traditionellen binären Sprache für eine einfache und effiziente Kommunikation sorgt.
  • Effektivere Methoden zur Gleichstellung der Geschlechter: Es könnte zielführender sein, sich auf konkrete Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter zu konzentrieren, anstatt die Sprache zu verändern.
  • Fehlende wissenschaftliche Unterstützung: Es gibt einige Stimmen, die sagen, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass gendergerechte Sprache tatsächlich zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führt und deshalb die Bemühungen um das Gendern unwirksam sein könnten.
  • Freiheit der Sprache: Einige Menschen betrachten das Gendern als Einschränkung der sprachlichen Freiheit und sprechen sich für das Recht aus, ihre Sprache so verwenden zu dürfen, wie sie es möchten, ohne von sozialen Normen beeinträchtigt zu werden.

Die Argumente für oder gegen eine geschlechtergerechte Sprache sind umstritten und werden von verschiedenen Gruppen unterschiedlich bewertet. Letztlich hängt die Entscheidung, ob und wie Gendern umgesetzt wird, von den Werten, Überzeugungen und Zielen einzelner Organisationen und Personen ab.

Welche Genderformen gibt es?

Im Grunde unterscheidet man zwischen drei Genderformen – der Neutralisierung, der Feminisierung und den Genderzeichen.

  • Neutralisierung:

    Unter Neutralisierung ist die Nutzung geschlechtsneutraler Wörter zu verstehen. Es gibt allerdings nicht für alle Wörter eine neutrale Form. Hier bietet es sich an, einen Begriff zu wählen, der das Ganze umschreibt.

    Beispiel (1): „Soziologe“ wird zu „Mensch der Soziologie“

    Beispiel (2): „Lehrer“ und „Lehrerinnen“ wird zu „Lehrkraft“ oder „Lehrende“
  • Feminisierung:

    Unter Feminisierung ist eine Doppelnennung zu verstehen. Es werden entweder beide Geschlechter genannt oder die weibliche Form hinzugefügt. Hierunter fällt auch der Schrägstrich sowie das Binnen-I.

    Beispiel (1): „Schüler“ wird zu „Schüler und Schülerinnen“ oder „Schüler/innen“ beziehungsweise „SchülerInnen“.
  • Genderzeichen:

    Unter Genderzeichen fallen alle Sonderzeichen, die zwischen der männlichen Form und der weiblichen Endung stehen. Klarer Vorteil ist hier, dass diese Form auch nicht-binäre Menschen anspricht. Neben dem bekannten Gendersternchen gibt es auch andere verbreitete Sonderzeichen:

    Gendersternchen: Nutzer*innen
    Unterstrich: Nutzer_innen
    Doppelpunkt: Nutzer:innen
    Punkt: Nutzer.innen
    Mediopunkt: Nutzer·innen
    Kodierungszeichen: Nutzer’innen

Beispiel Genderzeichen: Doppelpunkt – Deutsche Bahn

Die unterschiedlichen Genderformen haben Vor- und Nachteile. Am leichtesten machen Sie es sich, wenn Sie so oft es geht geschlechtsneutrale Formulierungen verwenden. Legen Sie allerdings Wert auf das Einbeziehen Aller, empfiehlt sich die Form des Genderzeichens. Denn hier beziehen Sie auch non-binäre Menschen mit ein.

Das Gendern in Social Media und Empfehlungen, worauf zu achten ist

Das Gendern in den sozialen Medien ist ein wichtiges Thema, das einige spezifische Überlegungen erfordert. Hier sind einige konkrete Empfehlungen, worauf Sie achten sollten:

Barrierefreie Beiträge
Achten Sie darauf, dass Nutzer:innen mit Leseschwäche oder Menschen mit Sehbehinderung nicht ausgegrenzt werden. Durch die Computersysteme werden Sonder- und Satzzeichen mit vorgelesen, was zu Verwirrung führen kann. Je nachdem, welcher Screenreader genutzt wird, werden gegenderte Wörter anders behandelt. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. empfiehlt Wortlösungen, die beide Geschlechter miteinschließen. Wenn dies nicht möglich ist, empfiehlt sich der Genderstern. Weit verbreitet ist außerdem der Doppelpunkt. Um barrierefrei zu publizieren, vermeiden Sie bestenfalls Unterstriche, Schrägstriche und das Binnen-I.

Kurze Texte und Genderform
Es ist von Vorteil, die Inhalte auf Social Media für die Leser:innen so kurz wie möglich zu halten. Außerdem haben Sie nur eine begrenzte Zeichenzahl zur Verfügung. Aus diesem Grund empfiehlt es sich auf lange Umschreibungen und Aufzählungen zu verzichten. Besonders die Nutzung des Gendersternchens oder andere Wortformulierungen, die beide Geschlechter mit einbeziehen sind hier von Vorteil.

Wert legen auf Einheitlichkeit
Vermeiden Sie Abwechslungen beim Gendern. Legen Sie sich auf eine Variante fest und verwenden Sie diese Form konsistent in Ihren Social-Media-Beiträgen. So fahren Sie eine klare Linie und Ihre Beiträge werden von den Leser:innen wiedererkannt. Die Einheitlichkeit unterstützt zusätzlich den Lesefluss.

Die Zielgruppe kennen
Verstehen Sie die Zusammensetzung Ihrer Zielgruppe und deren Präferenzen bezüglich gendergerechter Sprache. Einige Communitys oder Zielgruppen legen möglicherweise mehr Wert auf gendergerechte Sprache als andere.

Befragung der Community
Fordern Sie Feedback von Ihrer Community ein, um zu erfahren, wie Ihre Anstrengungen zur gendergerechten Sprache wahrgenommen werden. Dies kann Ihnen dabei helfen, Ihre Strategie zu verbessern und sicherzustellen, dass Sie die Bedürfnisse und Vorlieben Ihrer Zielgruppe kennen und berücksichtigen können.

Sensibler und respektvoller Umgang
Seien Sie sensibel und respektvoll gegenüber den Bedürfnissen und Identitäten aller Personen in Ihrer Community. Vermeiden Sie stereotype Darstellungen und achten Sie darauf, niemanden auszuschließen oder zu diskriminieren.

Durch die Berücksichtigung dieser Empfehlungen und die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema „geschlechtergerechte Sprache“ in den sozialen Medien können Sie dazu beitragen, eine inklusivere und respektvollere Online-Community zu schaffen. Darüber hinaus haben Sie mit entsprechender Reichweite die Möglichkeit, das Bewusstsein für dieses sensible Thema zu fördern.

Beispiel Genderzeichen: Gendersternchen – Arte TV

Fazit

Geschlechtergerechte Sprache ist ein wichtiges Instrument, um Inklusion, Respekt und Gleichberechtigung in der Kommunikation und damit in unserer Gesellschaft zu fördern. Wir können dazu beitragen, Barrieren abzubauen, Stereotype zu durchbrechen und eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen.

Es ist wichtig, anzuerkennen, dass Sprache nicht neutral ist und einen großen Einfluss darauf hat, wie Menschen wahrgenommen werden und wie sie sich selbst wahrnehmen. Gendergerechte Sprache ermöglicht es allen Menschen, sich in der Kommunikation repräsentiert zu fühlen, unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Geschlechtsidentität.

Letztlich hängt die Entscheidung und Umsetzung von Ihrer Einstellung bzw. der Ihres Unternehmens ab. Als Social-Media-Beratung, die am Puls der Zeit agiert, empfehlen wir eine gendergerechte Sprache in Ihren Online-Auftritten, um mit dem gesellschaftlichen Wandel mitzugehen und sich an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen.

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